Globale Musik auf mehreren Bühnen mitten in der Fachwerkaltstadt: Das ist der Charme des zweitägigen Good Good Festivals in Göttingen. Jedes Jahr gastieren hier im Süden von Niedersachsen bekannte und unbekannte Bands aus der ganzen Welt. Bisher traten so unterschiedliche Acts auf wie das Orchestra Baobab aus dem Senegal, Florence Adooni aus Ghana, Ustad Noor Bakhsh aus Pakistan oder der US-Bluessänger Eric Bibb. Am Freitag, dem 3., und Samstag, dem 4. Juli 2026, feierte das Festival sein fünfjähriges Jubiläum: Rund tausend Musikfans aller Altersgruppen jubelten neunzehn Bands von fünf Kontinenten auf vier Bühnen zu – ein rauschendes Musikfest bei perfektem Festivalwetter.
Text und Fotos: Udo Hinz
Zur diesjährigen fünften Ausgabe hatte sich die Veranstaltung neu erfunden. „Dieses Good Good Festival ist das bisher größte!“ Mit diesen Worten begrüßte Initiator Hans Philipp Schubring das Publikum. Zur Programmgestaltung hatte er bewusst mehr Akteure hinzugeholt. So wurde das gewohnt künstlerisch sehr hochwertige Programm noch vielfältiger kuratiert.
Die wunderbare Vielfalt an Musik aus Afrika war auch dieses Jahr einer der Schwerpunkte. Nana Benz du Togo brachten gleich zum Start am Freitag das Publikum auf dem Albaniplatz zum Tanzen. Die drei couragierten Sängerinnen appellierten in ihren Songs mit erhobener Faust dazu, die Rechte der Frauen zu respektieren. Weltstar Bassekou Kouyate aus Mali sorgte im Alten Rathaus für Standing Ovations. Er kam mit der Sängerin Amy Sacko, und ihre Musik war reine Magie. Kouyate verzauberte auf der banjoähnlichen Ngoni, ließ auf den vier Saiten silbern klingende Töne wie Sterne funkeln, verzerrte das Instrument wie eine E-Gitarre und spielte einen afrikanischen Blues. Sackos würdevoller und emotionaler Gesang berührte das Herz. Gemeinsam schuf das Duo eine hypnotisierende Musik erhabener Schönheit.
Gleich zwei Bands holte das Festival aus Marokko: Die Desertrocker von Tasuta N-Imal brachten das Publikum auf dem Albaniplatz schnell zum Mitsingen und Mitklatschen. Kurz danach zelebrierte die Frauenband Asmaa Hamzaoui & Bnat Timbouktou die spirituelle und tranceartige Gnawa-Musik aus dem Westen Marokkos – erstmalig in Göttingen zu erleben und eines der Highlights des Festivals.
Festivalpremiere hatte eine bunte und geballte Mischung an Musik aus Südamerika. Mit der rhythmischen Cumbia aus Kolumbien brachten Pambelé Hunderte Tanzwütige auf dem Albaniplatz in Bewegung. Gleich zwei Acts zeigten, wie reizvoll es ist, traditionelle Musik mit Elektronik zu verbinden: Jatun Mama aus Ecuador lenkten die Musik in Richtung Techno und brachten das Publikum im leergeräumten Nörgelbuff in Ekstase; das Projekt Conjunto Media Luna verband im Dots kolumbianische Folklore mit modernen Dancefloor-Beats. Im Innenhof des Dots gab es mit Masta Ace aus New York authentischen Hip-Hop aus den USA. Im Second-Hand-Plattenladen Vinyl-Reservat lockten drei deutsche Bands die Fans des härteren Rocks. Mit Khana Bierbood begeisterte erstmalig eine Band aus Thailand das Publikum im Dots.
Das familienfreundliche Festival mit rund fünfzig Helfenden hatte sich programmatisch breiter aufgestellt. Schubring: „Wir wollen die Kunstformen zusammenführen und regionale Initiativen vorstellen.“ Der Albaniplatz war am Samstag so belebt wie noch nie: Graffiti-Kunst, Straßentheater, Kinderprogramm und Stände mit Essen und Trinken. Im Holbornschen Haus gab es eine gut besuchte äthiopische Kaffeezeremonie und einen Workshop zu Kolonialismus. Im schönen Innenhof des Dots gaben die Salseros Göttingen einen Salsaworkshop, und die vielen Salsafans konnten das Erlernte beim Auftritt der Salsaband Cayeye gleich ausprobieren.
Das Good Good Festival belebte erneut die City. Als einziges Event im Jahresverlauf bespielt es den attraktiven Albaniplatz, und dank der wechselnden Spielorte war das Publikum in der Altstadt immer in Bewegung. Das Organisationsteam hat sich weiter vernetzt: Beispielsweise gibt es jetzt Kooperationen mit dem Göttinger Hip-Hop-Stammtisch und dem Göttinger Wissenschaftsmuseum Forum Wissen, der Internetradiosender Byte FM berichtet, und Plakate hängen auch in Hannover und Kassel. All dies wirbt für das Festival – aber auch für die weltoffene Universitätsstadt Göttingen.
Initiator Hans Philipp Schubring war am Samstagabend zufrieden. „Wir haben Besucher aus England und den USA, die Atmosphäre war durchgehend friedlich, und die auftretenden Bands gaben uns ein sehr positives Feedback.“ In der Abenddämmerung gab es zum Schluss noch das I-Tüpfelchen des Festivals: Das Dancehallduo Skarra Mucci & Manudigital aus Jamaika brachte auf dem Albaniplatz Reggae, Dub und Hip-Hop mit fetten Beats und mächtig Bass: Das junge Publikum tanzte glücklich und ausgelassenen in die Nacht hinein.






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